„Störe meine Kreise
nicht!“ So soll Archimedes, geometrische Figuren im Sand
zeichnend, einem heranstürmenden römischen Soldat bei
der Eroberung seiner Heimatstadt Syrakus zugerufen haben.
Gibt es da Parallelen zu unseren Hauskreisen? Sind diese auch fragile Gebilde, die von „außen“ leicht gestört werden können?
Der Begriff "Hauskreis" erweckt vielleicht den
Eindruck, dass es sich hierbei um einen
sehr privaten, abgeschlossenen Zirkel
handelt.
Was sind denn Hauskreise?
Unsere Gemeinde ist aus Hauskreisen – damals noch Stubenversammlungen genannt – entstanden. Auch wenn sie zwischendurch im Gemeindehaus stattfanden und Bibelstunden, -besprechstunden, -gesprächskreis oder Gemeindebibelschule hießen, hat sich am Grundschema kaum etwas geändert. In unserer Gemeinde gibt es heute Hauskreise mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Man trifft sich beispielsweise, um portionsweise ein Buch
der Bibel gemeinsam zu lesen und sich darüber auszutauschen. Der Bund der FeG
bietet auch Hefte für Hauskreise zu bestimmen Themen an. Oft steht auch nur der
persönliche Austausch
zum Leben eines „Christenmenschen“ an erster Stelle. So
ist es in mancher Hinsicht gut, wenn ein Hauskreis ein geschützter Raum ist und
die Mitglieder wissen, dass persönliche Dinge nicht weitererzählt werden. Die
Balance zwischen Offenheit für Andere und dem Streben nach einer Geborgenheit
in gewohnten Bahnen zu finden, ist eine Herausforderung für alle Hauskreise.
Gemeinsames Beten, in musikalischen Hauskreisen auch Singen, bildet meist den
Rahmen für einen Hauskreisabend.
Neben der Ausrichtung auf die Bibel haben viele Hauskreise das Wort „eigentlich“ gemeinsam. „Eigentlich, wäre ja übermorgen Hauskreis, X und Y können nicht, sollen wir verschieben?“ Sicherlich müssen wir uns da manchmal fragen, wie gehen wir als Christen mit unserer Zeit um, auch wird ein Einladen zu den Treffen für neue Interessierte durch das Verschieben von Terminen erschwert. Aber solche „Terminnöte“ sind nur ein einfaches Beispiel dafür, dass auch „Hauskreisler“ genau wie jede/r andere auch mit den Fallstricken des Alltags zu kämpfen haben.
Und Archimedes? Dem hat das „Störe meine Kreise nicht“ laut
der Überlieferung nicht
wirklich geholfen. Der erzürnte Soldat soll sowohl
Kreisen als auch Archimedes den Garaus gemacht haben.
So kann man im Bezug auf unsere Hauskreise nur jede/n Interessierte/n einladen: „Bitte, störet unsere Kreise – eigentlich“.
Mathias Wirths